Der Lohnunterschied zwischen Mann & Frau

Ich saß im Wartezimmer und blätterte mehr oder minder aufmerksam durch eine der ausgelegten Zeitschriften. Ich glaube, es war der Spiegel, aber das spielt auch keine große Rolle, denn egal, in welcher Zeitschrift ich diese Wahlwerbung gesehen hätte, hätte sie mich stutzig und auch wütend gemacht. Und das hat sie.

Es sind die 21 Prozent, die mich wütend machen.
Es ist der Fakt, der mich wütend macht, dass mit ihnen Wahlkampf betrieben wird.
… und auch leider der Fakt, dass viele Zeitungen und Zeitschriften die 21 Prozent in Headlines und Teaser packen.

Denn diese 21 Prozent sind schlichtweg und ergreifend falsch, oder wie Lexa so schön sagte: „Die 21 Prozent sind wirklich Geschrei ohne Inhalt!“ Aber woher kommen diese 21 Prozent? Diese 21 Prozent sind der sogenannte Gender Pay Gap. Der unbereinigte Gender Pay Gap, der eine Vielzahl an lohnrelevanten Faktoren nicht berücksichtigt! Der bereinigte Gender Pay Gap, der mehr Faktoren berücksichtig, aber aufgrund dieser Erfassung nur alle vier Jahre veröffentlicht wird, lag bei der letzten Erfassung im Jahr 2014 bei 6 Prozent.

Gender Pay Gap

Der Gender Pay Gap setzt die Bruttogehälter von Männern und Frauen ins Verhältnis und beschreibt somit die Differenz zwischen ihnen. Es gibt ihn in zwei Arten den „Unbereinigten“ und den „Bereinigten“1.

Der unbereinigte Gender Pay Gap erfasst die Bruttostundenverdienste nach Branchen und Bundesland von Mann und Frau. Das heißt im Klartext: der unbereinigte Gender Pay Gap unterscheidet nicht in Praktikanten, Teilzeitarbeitnehmer und Vollzeitarbeitnehmer, er unterscheidet nicht nach Qualifikationen, Berufserfahrung und Co. – doch gerade all dies sind Faktoren, die sich enorm auf die Gehaltshöhe niederschlagen.

Hingegen der bereinigte Gender Pay Gap erfasst die Bruttostundenverdienste nach Branchen und Bundesland von Mann und Frau und kalkuliert gleichzeitig die Qualifikationen, Art der Einstellung, Berufserfahrung und Co. mit ein.

Dadurch ist der Bereinigte ein Vergleich von Äpfeln und Äpfeln, während der Unbereinigte ein Vergleich von Äpfeln und Birnen ist (der Äpfel-Birnen-Vergleich wird hier sehr einfach erklärt).

So werden im unbereinigten Gender Pay Gap alle Köche in einen Topf geworfen und verglichen, aber jeder Koch hat seine spezifischen Qualifikationen und Erfahrungen: der eine ist nur ausgebildeter Koch, der eine ist ausgebildeter Koch und hat seinen Diätkoch, der eine hat seinen Meister, der andere den Ausbilderschein, der eine hat fünf Jahre Berufserfahrung, der andere ist frisch ausgelernt – all diese Faktoren schlagen sich auf das Gehalt nieder.

Beim bereinigten Gender Pay Gap werden alle Köche in einen Topf geworfen und verglichen die eine Ausbildung zum Koch, mit Ausbilderschein und XYZ Jahren Berufserfahrung bzw. Betriebszugehörigkeit, haben. Diese müssten dann für das Unternehmen den gleichen Wert haben, egal ob Mann oder Frau.

Aber es gibt hier Unterschiede und somit ist der bereinigte Gender Pay Gap als tatsächliche Lohndiskriminierung oder Lohnniveauunterschied zu betiteln. So lang 2014 der durchschnittliche unbereinigte Gender Pay Gap bei 22 Prozent, während der bereinigte Gender Pay Gap bei 6 Prozent lag. Zudem zeigt der Zeitverlauf, dass die Höhe des Gender Pay Gaps abnimmt und somit Frauenlöhne und Männerlöhne sich immer mehr angleichen2.

Gender-Pay-Gap-Darstellung in relativen und absoluten Zahlen

Unbereinigt Bereinigt
Geschlecht Mann Frau Mann Frau
Stunden-ohn in Prozent 100% 78% 100% 94%
Stundenlohn in Euro 12,00 Euro 9,36 Euro 12,00 Euro 11,28 Euro
GPG in Prozent 22% 6%
GPG in Euro 2,64 Euro 0,72 Euro

Oftmals kann man sich unter Prozentangaben nichts vorstellen, deswegen habe ich zur vereinfachten Darstellung, die obige Tabelle erstellt, um darzustellen, von wie viel Euro Unterschied hier gesprochen werden kann.

Schlussfolgerung

Ich möchte in keiner Weise sagen, dass es keinen Lohnunterschied zwischen Mann und Frau gibt, aber ich möchte sagen, dass das, was Medien und Politik als Lohnunterschiedshöhe nennen nicht wahrheitsgemäß ist. Sie verbreiten auf ihren Plakaten, Headlines und Teasern wohl wissend das Bild, dass Frauen deutlich schlechter bezahlt werden, als Männer. Wohl wissend, dass oftmals Berichte gar nicht bis zum Schluss gelesen werden und oft kommt es erst dort zur Klarstellung, dass es eigentlich nur 6 Prozent Lohnunterschied sind und sicherlich weiß auch die SPD von den 6 Prozent.

Die 21-Prozent-Gender-Pay-Gap sind kein Lohnunterschied, da sie nicht Gleiches mit Gleichem vergleichen, aber um Aufmerksamkeit zu generieren, um aufzustacheln, um zu erbosen und um aktiv werden zu lassen, klingen die 21 Prozent einfach krasser, als die eigentlich 6 Prozent!

Quellen

1 – https://de.wikipedia.org/wiki/Gender_Pay_Gap, 29.08.2017, 09:00 Uhr
2 – https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2017/03/PD17_094_621.html, 31.09.2017, 09:00 Uhr

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5 thoughts on “Der Lohnunterschied zwischen Mann & Frau

  1. 6% sind immer noch 6% zu viel. Aber ja, die Entwicklung geht hin zu einer Angleichung und 0% wird man nie erreichen können. Aber vielleicht sind wir ja irgendwann mal so weit, dass es um die 1% schwankt und in einigen Jahren auch mal Frauen mehr verdienen als Männer. Dann ist die Gleichwertigkeit wirklich erreicht.

    Was mir dazu noch einfällt: So, wie die 21% dargestellt werden, sind sie wirklich nur heiße Luft. Aber es ist trotzdem eine wichtige Zahl, denn sie sind ein Indiz dafür, dass Frauen tendenziell in schlechter bezahlten Berufen und mehr Teilzeit arbeiten. Und das wiederum ist etwas, das nicht sein müsste, wenn die Gleichwertigkeit neben der Gleichberechtigung existieren würde.

    Aber gut, es ist einfach noch ein weiter Weg. Das Ziel ist klar, mal sehen, wie viele Jahrzehnte wir noch brauchen um es zu erreichen.
    LG Lexa

  2. In der Politik ist es fast wie bei den „Stars und Sternchen“: Hauptsache Aufmerksamkeit erregen…
    Abgesehen davon, 6 % sind immer noch sehr hoch, finde ich. Rechnet man den Stundenlohn auf einen 8-Stunden-Tag hoch, sind das schon über 6 Euro Unterschied. Davon kann man schon um die 20 Brötchen kaufen (je nachdem wie teuer die eben sind). Von diesen, ich sag jetzt einfach mal 20 Brötchen, kann 1 Person schon gute 5 Tage von essen. Klingt komisch? Tja… ich rechne immer gerne mal in Brötchen um. ;D

    Lieben Gruß, nossy

    1. @Lexa:
      Die 6% liegen wahrscheinlich sogar noch niedriger, da immer noch nicht alle lohnrelevanten Faktoren im Bereinigten sind, aber mit Spannung dürfen wir den 2018er erwarten 🙂

      Ob sie jetzt schlechter bezahlte Berufe ergreifen müssen, eben TZ arbeiten müssen, ist für mich kein Muss, sondern ihre Entscheidung – immerhin arbeitete ich auch in einen schlecht bezahlten Beruf und dieser galt/gilt als Männerberuf 🙂

      @nossy:
      Ja, vielleicht sind die 6% noch hoch, aber erregen sie weniger Aufmerksamkeit als die 21%.

      1. 😀 Eine Brötchen-Rechnung. Sehr schön!
        Ja, 21% ist gleich sehr sehr krass dargestellt. Aber du, Christiane, hast ja selbst oft genug geschrieben, dass es die Unterschiede gibt aber nicht so schlimm wie es dort dargestellt wird.

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