Frauenquote – Nein danke!

Wer meine letzte Kolumne gelesen hat, der kann sich vielleicht noch an eine Frage im Text erinnern. Ich fragte, ob Mann und Frau gleichberechtigt sind und beantwortete die Frage mit: „Ja. Ja, eigentlich sind wir gleichberechtigt“

Heute möchte ich über einen Aspekt von diesem „eigentlich“ reden.
Mein „eigentlich“ bezog sich nicht darauf, dass Frauen diskriminiert werden.
Mein „eigentlich“ bezog sich darauf, dass Männer diskriminiert werden.

Situation

Die aktuelle Lage ist die, dass Frauen in Führungsposition wenig bis gar nicht vertreten sind und das, im Rahmen der Gleichberechtigung, vielen Frauen missfällt. Sie sehen darin eine Diskriminierung. Deswegen wurde von der Regierung die Frauenquote beschlossen, um den Anteil von Frauen in Führungspositionen endlich signifikant zur erhöhen, trat am 1. Mai 2015 das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen (FüPoG) in Kraft1.

Frauenquote

So trat 2015 die umgangssprachlich genannte Frauenquote in Kraft. Die damalige Regierung verpflichtet mit ihr dazu, dass das unterrepräsentierte Geschlecht – in der Regel Frauen – stärker zu berücksichtigen ist. Dies gilt aber erst mal nur für börsennotierte und voll mitbestimmungspflichtige Unternehmen, eben Aktiengesellschaften an der Börse. Diese Unternehmen müssen ab 2016 freiwerdende Aufsichtsratspositionen zu 30% mit dem unterrepräsentierten Geschlecht besetzen1,2. Zudem sind diese Unternehmen dazu verpflichtet, sich selbst Zielgrößen zu setzen, in welchem Verhältnis die Geschlechter auf die Stellen von Aufsichtsräten, Vorständen oder oberen Managementebenen besetzt werden soll1,3.

Schlussfolgerung

Die Frauenquote ist nicht nur ein kräftiger Eingriff in die Entscheidungsfreiheiten der Unternehmen, sondern auch eine Diskriminierung. Sie nimmt dem überrepräsentierten Geschlecht – in der Regel Männer – die Chancen, aber Gleichberechtigung bedeutet Chancengleichheit und anstatt mit der Quote eine zu schaffen, nimmt man mit ihr Chancen!

Lösungsansatz

Um zu einer Lösung zu kommen, muss man sich eine grundlegende Frage stellen: Über was möchte man sich definieren? Möchte man sich über die Leistung oder das Geschlecht definieren?
Überspitzt gesagt, beachtet die Quote nur das zwischen den Beinen und nicht das zwischen den Ohren.

Ich persönlich möchte nach dem was ich leiste, bewertet werden und ich empfinde es dann als respektlos nach meinem Geschlecht bewertet zu werden, denn ich weiß, wie es ist, an etwas teilnehmen zu dürfen, nur, weil man das richtige Geschlecht hat:

Während meiner Ausbildung zum Koch bewarb ich mich auf einen Kochwettbewerb und erhielt die Teilnahmeberechtigung. Ich durfte aber nur teilnehmen, weil ich weiblich war! Ich war der einzige weibliche Bewerber! Ich wurde also nicht genommen, weil meine Fähigkeiten, meine Kreation oder meine Unterlagen überzeugten, sondern nur, weil ich eine weibliche Person bin. Und so im Nachhinein – damals war mir das ja egal und gar nicht so bewusst, was da passierte – fühlt sich das, heute, ziemlich abwertend, mies und einfach nur richtig kacke an.

Ebenfalls sollte man nicht nur diese Seite betrachten, sondern auch die, wenn man Arbeitnehmer ist und jemanden vorgesetzt bekommt, der nur aufgrund einer Quote, die nach Geschlecht entscheidet, diese Position erhielt.
Würde dieser Mensch einfach so respektiert werden?
Oder hätte sie/er nicht einen ziemlich schweren Standpunkt?

Außerdem muss sich eingestanden werden, dass in Deutschland nicht nur das Recht auf freie Berufswahl besteht, sondern im gleichen Atemzug, auch Unternehmen „denjenigen einstellen dürfen, den sie wollen“. Unternehmen werden von Menschen geführt, die ihre eigene Weltanschauung und Meinung haben. Einige dieser Menschen sehen Frauen gleichwertig an, andere wiederum nicht. Letztere müssten also irgendwie dazu gebracht werden umzudenken, zur Einsicht zu gelangen, dass Frauen gleichwertig arbeiten/führen können und ich bezweifle stark, dass dies über eine gesetzliche Vorgabe gelingen kann.

Denn ist die Frauenquote nicht irgendwie eine Bestätigung von Vorurteilen? Bestätigt sie nicht das, was viele Menschen über Frauen denken: Dass Frauen sich nicht durchsetzen können und deswegen nun den Staat vorschicken, das zu regeln?

Mich erinnert diese Quote an meine Kindheit, wenn meine ältere Schwester etwas machte und mich nicht daran teilhaben lies. Laut quakend rannte ich auf meinen kurzen Stummelbeinchen zu meiner Mutter: „Mama, Mama, die Katharina lässt mich nicht mitspielen!“ Schon stampfte Mutti los, baute sich vor meiner Schwester auf, erhob erbost den Zeigefinger und verpflichtete meine Schwester dazu, mich daran teilhaben zu lassen – weil ich mich selbst nicht durchsetzen konnte und ich glaube, damals änderte meine Schwester deswegen nicht ihre Einstellung zu mir.
Muss man, wenn man führen will, sich nicht auch durchsetzen können?

Mein Lösungsansatz sind Fragen.

  • Worüber will man sich definieren: Geschlecht oder Können?
  • Werden Menschen respektiert, die über die Quote, auf die Position kommen?
  • Werden diese „Quoten-Menschen“ sich durchsetzen können?

Fragen, die sich erst beantworten lassen, wenn die Frauenquote einige Jahre alt ist und umgesetzt wurde – leider. Auch wenn es mir schwerfällt, muss ich unter diesem Aspekt sagen, dass die Quote erstmal bestehen bleiben muss, obwohl mich die Chancenungleichheit, die sie auslöst, viel mehr aufregt und ich als inakzeptabel sehe. Aber ohne eine gewisse Laufzeit dieses Gesetzes, werde sich keine Antworten herausfiltern lassen und schon gar nicht, ob die Frauenquote hilfreich ist, auf dem Weg der Gleichwertigkeit.

… auch, wenn ich davon nicht überzeugt bin, dass das so sein wird.

Fazit

Ich bin gegen die Frauenquote. Ich räume ihr aber ein, kurzweilig existieren zu dürfen, damit sie beweisen kann, ob sie taugt – Aber durch sie, muss ich meine Aussage aus meiner ersten Kolumne zurücknehmen und verbessern: Nein, ich bin nicht gleichberechtigt. Ich, als Frau, bin übergleichberechtigt, durch die Frauenquote und das heiße ich nicht gut.

Ich kann mich auch nur wiederholen: Frau und Mann sollten aufhören sich einzureden, dass sie etwas nicht können oder dürfen, nur, weil sie eben Frau oder Mann sind. Diese Gedankenstruktur ist schwerer Ballast, der den Weg zum Ziel deutlich erschwert.

Quellen

1 – https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/frauen-und-arbeitswelt/quote-privatwitschaft/quote-fuer-mehr-frauen-in-fuehrungspositionen–privatwirtschaft/78562?view=DEFAULT, 09. August 2017, 08:00 Uhr
2 – https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2015/03/2015-03-06-frauenquote.html, 26. Juni 2017, 20:00 Uhr
3 – https://www.hensche.de/Gesetz_zur_Frauenquote_in_Aufsichtsraeten_verabschiedet_31.03.2015_10.19.html#tocitem1, 08.08.2017, 09:00 Uhr

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6 thoughts on “Frauenquote – Nein danke!

  1. Da bin ich mal ganz anderer Meinung als du, aber das Gespräch hatten wir ja schon 😉

    Die Frauenquote schafft Gleichberechtigung, denn bisher ist die Chance einer Frau geringer. Durch die Frauenquote ist sie nahezu gleich. Aber wahrscheinlich trotzdem noch geringer als die von Männern. Es geht ja nicht darum unqualifizierte Frauen zu befördern, sondern bei gleicher Qualifikation die Frau zu bevorzugen, weil sie normalerweise nicht bevorzugt werden würde sondern benachteiligt.
    Und wenn die Frauen erstmal in den Positionen sind, haben sie die Chance alte Strukturen zu verändern und weiteren Frauen den Ein/Aufstieg zu erleichtern, damit eine Quote irgendwann nicht mehr notwendig ist, sondern wirklich jeder die gleichen Grundchancen hat. Entscheidungen nur wegen dem zwischen den Ohren, nicht dem zwischen den Beinen 😉

    LG Lexa

    1. @Lexa:
      Natürlich geht es um qualifizierte Frauen, hatten sogar einen Absatz drinnen, der das sagte, aber raus gelöscht – jedoch lassen sich Qualifikationen meistens belegen, aber für Führungspositionen sind bei weitem mehr notwendig, als Zeugnisse und Diplome.

      Für mich ist aber ein Denkfehler hinter der Aussage, dass die Frauenquote Gleichberechtigung schafft: Nehmen wir mal an, für den Aufsichtsrat sind drei Stellen neu zu besetzen, es gibt vier Kandidaten, drei Männer, eine Frau. Dann haben die Männer weniger Chancen als die Frau zur Wahl zu kommen, weil die Frau zur Wahl gestellt werden muss. Und das per Gesetz und deswegen ist es Diskriminierung.
      Für mich ist und bleibt die Gleichberechtigung etwas gesetzliches/staatliches/rechtliches.
      Dass das Unternehmen ohne die Quote Frauen nicht beachteten würde, ist kein Problem der Gleichberechtigung, sonder der Gleichwertigkeit.

      Zumal wirft dein Kommentar, bei mir eine weitere grundlegende Frage auf, du schreibst, Frauen können dann die alten Strukturen verändern und anderen Frauen helfen… Helfen Frauen Frauen? Oder wird die Stutenbissigkeit obsiegen?

      1. Aber Gleichwertigkeit kann nur erreicht werden, wenn die Umsetzung der rechtlichen Gleichberechtigung „erzwungen“ wird. Von allein wird sich nichts ändern, dafür sind Strukturen zu eingefahren, wenn sie erstmal da sind. Es braucht die weiblichen Vorreiter, die den Menschen zeigen: „Frauen können das auch. Mann und Frau sind gleichwertig.“ Aber ohne Zwang von außen, bekommen Frauen diese Chancen oft nicht, daher sorgt die erzwungene Umsetzung durch die Frauenquote für mehr Gleichwertigkeit.
        Klar, ich sehe es auch so, dass es nicht ideal ist. Besser wäre es, wenn das „einfach so“ passieren würde. Wenn ein Umdenken in den Köpfen der Menschen stattfinden würde und Regelungen wie die Quote nicht nötig wären. Aber das ist träumerisch und unrealistisch. Ohne positive Praxisbeispiele wird sich nichts ändern, daher muss eine Regelung wie die Quote (noch) sein. Irgendwann wird es auch ohne gehen (hoffentlich).

        Gegenfrage: Stutenbissigkeit – was ist das männliche Äquivalent? Hast du spontan eins? Oder gehst du davon aus, dass Männer Männer helfen, aber Frauen nicht Frauen? 😉
        Verstehst du, worauf ich hinaus will?

  2. Schwieriges Thema, ich kann deine Argumentation nachvollziehen, aber ebenso kann ich Lexas Anmerkungen folgen und unterstreichen, vor allem den Part mit dem träumerisch und unrealistisch, denn so sehe ich es auch. Die Frauenquote sollte als Mittel, nicht als Etikett gesehen werden und dieses Mittel muss man nutzen.

    Das, was du hier Stutenbissigkeit nennst (ein begriffliches Äquivalent für die männliche Variante ist mir nicht bekannt, am ehsten noch „Konkurrenzdenken“), ist ureigenstes, menschliches Verhalten. Es ist in der Tatsache begründet, dass der Mensch doch nichts anderes als ein „bewusstes“ Tier, das in hierarchischen Strukturen lebt, ist.
    Das Aufzulösen?
    Jeden als gleich ansehen?
    … neue Form des menschlichen Daseins, wird wohl zu unseren Lebzeiten, der Lebzeiten unserer Kinder, Enkel, Urenkel, … u. s. w. nicht in voller Gänze erreicht werden, einzelne Individuen mögen diese Grenzen überwinden, aber alle?
    Eher übernehmen die Mäuse wieder die Herrschaft über die Erde … und ja, ich mag nach wie vor keine Menschen 😉

    1. @Lexa:
      Ich denke halt, man kann dieses Umdenken nicht erzwingen, deswegen ist die Frauenquote für mich eben keine Lösung, aber – und das schreibe ich auch – lasse ich mich gerne etwas anderem belehren.

      @K.:
      Ich finde, es ist vielleicht ein Mittel, wenn das Mittel nicht auf erzwungen wird – siehe CDU, die eine eigene interne „Frauenquote“ haben.

      Es ist tatsächlich ein schweres Thema.
      Ein Thema bei dem ich ehrlich gesagt nicht auf der Seite der Frauen stehe, weil ich in ihnen und ihren Denkweisen mit den Kern des Problems sehe – das klingt hart. Aber ich schubse deswegen trotzdem weder Kind noch Frau vor fahrende Busse.

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