Ja, ich bin gleichberechtigt!

Haben wir in Deutschland ein Problem mit der Gleichberechtigung? Ja, scheinbar schon! Denn immer wieder durchfährt ein Ruck die Gesellschaft und der Ruf nach der „Gleichberechtigung von Mann und Frau“ hallt durch die Reihen. Doch geht es dabei wirklich darum, dass Mann und Frau nicht die gleiche Rechte oder Berechtigungen haben, oder beißt sich wo ganz anders der Hund in den Schwanz?

Gleichberechtigung

Laut der Bundeszentrale für politische Bildung, ist die Gleichberechtigung, die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau1, welche im Artikel 3, Absatz 2 des Grundgesetzes verankert ist2. Der Staat darf daher den Unterschied der Geschlechter nicht mehr als Anknüpfungspunkt für Ungleichbehandlungen (Bevorzugungen und Benachteiligungen) wählen. Eine Ausnahme ist nur zulässig, wenn biologische Unterschiede die Verschiedenbehandlung erfordern (z. B. Mutterschutz, Behinderung, Krankheit). Ausnahmen aus funktionalen Gründen, die meist auf der traditionellen gesellschaftlichen Rollenverteilung beruhen, sind in der Regel unzulässig1.

Für mich ergibt sich daraus, dass die Gleichberechtigung eine gesetzliche Rahmenbedingung ist. Eine Rahmenbedingung, die allen die gleichen Chancen einräumt. Sie gibt jedem Bürger die gleichen Rechte und dadurch auch die gleichen Chancen, ebenso die gleichen Verpflichtungen und gleichen Strafen.

Also, sind Mann und Frau gleichberechtigt oder nicht?
Ich kam zu dem Schluss: Ja. Ja, wir sind eigentlich gleichberechtigt.
Wodurch sich die Frage stellt: Warum wird dann immer noch nach der Gleichberechtigung gerufen?

Diese Ausrufe stehen meistens in Zusammenhang mit dem Arbeitsalltag. Es geht dabei um das Lohnniveau – Frauen verdienen (angeblich) immer noch weniger als Männer, Vereinbarkeit von Familie und Beruf – Frauen kommen nach einer Babypause schwerer ins Berufsleben zurück und Karrieremöglichkeiten – Frauen sind weniger in Führungspositionen vertreten.

Es handelt sich hierbei um Chancen. Chancen, die scheinbar Frauen verwehrt werden. Aber diese Chancen werden ihnen nicht vom Staat genommen. Der Staat sagt nicht, dass Frauen weniger verdienen müssen, dass Frauen schwerer ins Berufsleben zurückkommen sollen und das Frauen nichts in Führungspositionen zu suchen haben. Diese Chancen verwehren ihnen Menschen, die Unternehmen und sie sich selbst. Entsprechend dem, geht es bei den Ausrufen nicht um Gleichberechtigung, sondern darum, dass Mann und Frau in der Gesellschaft und in der Wirtschaft immer noch nicht als gleichwertig angesehen werden.

Gleichwertigkeit

Bei Gleichwertigkeit geht es darum, was man von einem Menschen erwartet, der männlich ist. Dass was man erwartet von einem Menschen, der weiblich ist. Viele assoziieren Charaktereigenschaften mit den zwei Geschlechtern und diese überschneiden sich, woraus sich Geschlechter- und Rollenbilder bildeten: Wer ist der Starke, wer darf Gefühlen freien Lauf lassen, wer versorgt und wer kümmert sich.

Man schreibt dem Mann die Stärke zu, und dass er Frau und Familie zu versorgen hat, hingegen die Frau ist die Emotionale und kümmert sich um Mann und Familie. Das sind die klassischen Ansichten, an denen genagt wird, wenn es um die „Gleichberechtigung von Mann und Frau“ geht, weil in den Geschlechtern nicht die gleiche Stärke, nicht die gleichen Emotionen, nicht die gleiche Versorgung und nicht die gleiche Fürsorge gesehen werden.

Und hier beißt sich der Hund in den Schwanz!
Denn diese Gedanken nehmen die Chancen, weil man von vornherein denkt, dass eine Frau dem Stress einer Führungsposition nicht gewachsen ist.

Wie oft stehen die Geschlechter da und denken sich: „Ich darf das nicht, weil ich dieses oder jenes Geschlecht bin?“, „Sie/Er kann/darf das nicht, weil sie/er eine Frau/ein Mann ist!“ oder „Sowas tut Frau/Mann nicht!“ – Das sind Blockaden, die dazu führen, dass nach der Gleichberechtigung gerufen wird, obwohl es damit nichts zutun hat.

Es wird immer erst das Geschlecht gesehen, anstatt das, was uns alle gleichmacht: Das Menschsein. Sollten wir nicht anfangen, uns über das Menschsein zu definieren und nicht über das Geschlecht?

Schlussfolgerung

Von staatlicher Sicht aus, gibt es eigentlich keine Diskriminierung von Mann und Frau. Die Rahmenbedingungen hierfür sind da, aber trotzdem fühlen sich Frauen benachteiligt. Diese Benachteiligung erfahren sie aber nicht vom Staat, sondern von Mitbürgern, weil viele noch die klassischen Ansichten der Geschlechter haben. Sofern diese Gedankengänge leben und an kommende Generationen weitergegeben werden, wird immer und immer wieder nach der Gleichberechtigung gerufen.

Lösungsansatz

Ich finde, es sollte erst einmal eingesehen werden, dass die gesetzliche Gleichberechtigung noch gar nicht so lange existiert. Einige wichtige Änderungen für die Gleichstellung im Arbeitsalltag und Familie wurden erst 1958 und 1977 verabschiedet3,4. Auf Grund dieser Jahreszahlen, denken viele noch anders, denn nur, weil etwas in die Gesetze kommt oder eben gestrichen wird, macht es in den Köpfen nicht peng und wird von allen verinnerlicht. Und dabei geht es doch hier?

Um die Überzeugung – und um jemanden zu überzeugen, sollte man erst bei sich selbst anfangen und überzeugt sein, dass man dem anderen Geschlecht gleichwertig gegenübersteht. Jeder Mann und jede Frau sollten sich im Klaren darüber sein, dass sie das gleiche können, dürfen und wollen, was das andere Geschlecht kann, darf und will – weil das Geschlecht nicht wichtig ist. Es gibt kein „Ich darf das nicht, weil ich eine Frau/ein Mann bin!“, ebenso kein „Ich muss so und so sein, weil ich eine Frau/ein Mann bin!“ In diesem Zusammenhang, sollte auch reflektiert werden, ob das, was ältere Generationen von sich geben, so ist wie sie es sagen oder ob es sich schon geändert hat. Erst dann sollten die Parolen übernommen werden!
Genau das gleiche gilt für Aussagen aus den Medien.

Ich handle es so: Ich rede mir nicht ein, dass ich etwas nicht darf, nur weil ich eine Frau bin. Ich verbaue mir keine Perspektiven mit Gerede über die Geschlechter und vor allem antworte ich auf die Aussage „Das darfst du als Frau nicht“ mit einem „Warum?“

Fazit

In Deutschland gibt es eigentlich die Gleichberechtigung, nur die Menschen differenzieren die Geschlechter in ihrem Können und Müssen, wodurch man meint, es würde eine Diskriminierung geben, deswegen finde ich es wichtig, dass jeder Einzelne anfängt, nicht mehr in Mann und Frau zu denken, sondern in allen zur erst einmal den Menschen sieht.

Erst dann gibt es für jeden die gleichen Chancen!


Quellen


1 – http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/recht-a-z/22317/gleichberechtigung, 16. Juli 2017, 10:30 Uhr
2 – https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_3.html, 04. August 2017, 08:00 Uhr
3 – http://www.focus.de/wissen/mensch/geschichte/tid-21578/zum-weltfrauentag-meilensteine-der-frauenemanzipation-in-deutschland-die-erste-frau-die-ohne-erlaubnis-ihres-ehemannes-arbeiten-darf_aid_605621.html, 04. August 2017, 12:00 Uhr
4 – https://de.wikipedia.org/wiki/Frauenarbeit, 04. August 2017, 12:00 Uhr

0

10 thoughts on “Ja, ich bin gleichberechtigt!

  1. ein sehr toller Beitrag. Ich pflichte dir da zu. Gesetzlich sind Frauen und Männer komplett gleichberechtigt, es hakt nur in manchen Bereichen an der Umsetzung. Vor allem halt im Wirtschaftlichen, denn das eine Frau, die den gleichen Beruf, wie ihr männerlicher Kollege ausübt, und wichtig: genauso viel arbeitet an Studenanzahl und genauso lange im Unternehmen ist (das wirkt sich ja beides auf das Gehalt aus), dann weniger verdient, ist einfach nicht gerecht und da werden Frauen aufgrund des Geschlechts in meinen Augen dann auch herabgestuft. Als Begründung hört man hier dann ja immer, dass eine Frau ja Kinder bekommen könnte, was ich ziemlich unsinnig finde. Ich meine irgendwer muss ja auch dafür sorgen, dass es eine neue Generation gibt. Zumal manche Frauen ja auch keine Kinder möchten bzw. viele auch erst wesentlich später Kinder bekommen. Das sollte kein Grund dafür sein, dass eine Frau dann weniger verdient oder eine Stelle erst gar nicht bekommt. Würde das dann aber auch als nicht gleichwertig bezeichnen, weil vom Staat aus sind die Bedingungen für die Gleichberechtigung ja gegeben.

    Oftmals habe ich nur eher das Problem, dass es bei vielen Feministen, dann schon wieder zu weit geht mit den Forderungen. Weil es ist ja auch keine Lösung, dass dann der Mann nicht mehr gleichberechtigt ist. Gleichberechtigung schließt ja beide Geschlechter ein und betrifft nicht nur die Frauen. Auch Männer werden immer noch komisch angeschaut, wenn sie Jobs ausübgen, die für sie untypisch sind. Was definitiv ein Gesellschaftsproblem und kein staatliches Problem ist. Aber wenn man nur an Erzieher denkt, wie viele gibt es da denn? Nur sehr wenige, weil sich da einige unschöne Klischees echt hartnäckig halten. Genauso wie Frauen auf dem Bau dann wiederum ungern gesehen werden. Ich finde ja, jeder sollte das Arbeiten dürfen, was er möchte (wir haben hier übrigens ja auch freihe Berufswahl) und das tun, was dürfen, was ihn glücklich macht.

    Danke übrigens auch für dein liebes Kommentar.
    Auf der anderen Seite schont das auch den Geldbeute, was sicherlich auch schön ist. Kino ist ja immerhin echt teuer geworden. Bei Bully wünsche ich dir viel Spaß und ich hoffe natürlich, dass du herzhaft lachen kannst.

  2. Schön, dass der Artikel jetzt online ist. So, wie er hier jetzt steht, kann ich dir sogar zustimmen, weil deutlich wird, wie du Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit verstehst.
    Nur ein kleines Wort stört mich persönlich noch: „fühlen“. Du schreibst: „Die Rahmenbedingungen hierfür sind da, aber trotzdem fühlen sich Frauen benachteiligt.“ Frauen fühlen sich aber nicht nur benachteiligt, sie sind es auch tatsächlich. Trotz der theoretisch guten Rahmenbedingungen für die Gleichberchtigung, ist die Gleichwertigkeit faktisch noch nicht da. Das ist nicht nur ein Gefühl, das ist Tatsache.

    Aber gut, dass ist jetzt schon wirklich das Aufhängen an Kleinigkeiten. 😉 Deiner Grundaussage kann ich so nur zustimmen und freu mich, dass du drüber geschrieben hast.
    LG Lexa

    1. @bknicole:
      In Löhne und Gehälter fließen mehrere Faktoren ein, nicht nur Arbeitszeit und die Dauer der Betriebszugehörigkeit – von daher ist das ein sehr schweres Thema…

      @K.:
      Das kann gut sein.

      @Lexa:
      Nun,… Die Gleichwertigkeit ist ja auch nicht die Gleichberechtigung. Und die Gleichwertigkeit kann der Staat nicht umsetzen, meiner Meinung nach.

  3. Ein toller Artikel! Ich vermute, dass uns das Thema noch sehr lange begleiten wird, denn es scheint zumindest mir sehr schwierig. Allein dadurch, dass wir eben Mann und Frau sind, werden von Natur aus verschiedene Voraussetzungen mitgebracht. Wie man mit dem umgeht, sodass die Chancen in jeder Hinsicht für alle gleich sind, scheint mir sehr herausfordernd. Dennoch gibt es grundlegendes, was verbessert werden könnte. Eine Freundin von mir hat z. B. regelmäßig in den Ferien Porbleme, ihre Arbeit zu organisieren, weil sie alleinerziehend ist, niemanden von Familie etc in der Nähe hat, und der Hort zeitweise geschlossen ist, sodass sie nicht weiß, wer auf das Kind aufpasst. Gleichzeitig gibt es eine Aufsichtspflicht, wenn sie ihr nicht nachkommt, kann ihr das Sorgerecht entzogen werden. Arbeiten gehen soll sie aber natürlich trotzdem… Unglaublich, aber wahr, dass es bei uns solche Umstände in der Gesellschaft gibt…

    1. Richtig, dass ist in erster Linie ein gesellschaftliches Problem. Ein alleinerziehender Vater, in solch einer Situation, würde es ja genauso gehen. Hier müsste es viel flexiblere Betreuuungsmöglichkeiten geben, die vor allem auch bezahlbar sind. Daran scheitert es meistens, an das „bezahlbar“.

      Was die Gleichberechtigung angeht ( Mann, Frau, gleichgeschlechtlich Liebende, etc. ) , denke ich auch, dass wir in Deutschland gute Voraussetzungen haben. In einigen Punkten gibt es sicher noch Nachholbedarf, das will ich gar nicht abstreiten. Ein großer Punkt der verhindert, dass die Gleichberechtigung in den Köpfen der Menschen ankommt, ist auch das Rollendenken. Mädchen bekommen rosa Sachen, Jungen blaue. Jungen dürfen nicht weinen (Ein Indianer kennt keinen Schmerz.), während Mädchen lieb und brav sein sollen (Ein Mädchen macht sowas nicht.), usw.

      Viele Grüße, nossy

      1. @Caro:

        „Allein dadurch, dass wir eben Mann und Frau sind, werden von Natur aus verschiedene Voraussetzungen mitgebracht. „

        Wenn man davon ausgeht, dass verschieden Attribute bestimmten Geschlechtern zusteht, dann stimmt das. Geht es nach der Kraft und Männer sind nun mal stärker als Frauen, dann muss man auch einsehen, dass durch den technologischen Fortschritt hier immer mehr der Gebrauch der eigene Menschenkraft abnimmt, da diese von Maschinen übernommen wird und von daher nicht mehr groß benötigt wird.
        Ich bin nicht der Ansicht, dass bestimmte Attribute einem bestimmten Geschlecht zusteht. Meiner Meinung nach kann jeder Mensch jedes Attribut in sich haben und ausleben. Ebenso spielt es meiner Meinung nach, in vielen Bereichen einfach keine Rolle mehr, ob man Mann oder Frau ist. Leider bin ich damit ziemlich alleine.

        Denn auch in dem Problem mit der Betreuungsmöglichkeit sehe ich ein allgemeines Problem, was jeden Alleinerziehenden betrifft und nicht nur Frauen.

        @nossy:

        Ein großer Punkt der verhindert, dass die Gleichberechtigung in den Köpfen der Menschen ankommt, ist auch das Rollendenken. Mädchen bekommen rosa Sachen, Jungen blaue. Jungen dürfen nicht weinen (Ein Indianer kennt keinen Schmerz.), während Mädchen lieb und brav sein sollen (Ein Mädchen macht sowas nicht.), usw.

        Genau das meine ich. Dieses Denken sollte aufhören und man sollte in jedem das sehen was er ist: Ein Mensch, denn das macht uns alle gleich. Wir sollten nach dem Charakter/Können differenzieren und nicht nach dem Geschlecht.

  4. Ich finde gut, dass du zwischen gesetzlicher Gleichberechtigung und der gesellschaftlichen Gleichwertigkeit differenzierst. Das ist nämlich meiner Meinung nach bei der Diskussion sehr wichtig, da die gesetzlichen Grundvoraussetzungen, wie du auch sagst, für Gleichberechtigung gegeben sind. Eben an der Umsetzung hapert es noch, aber das ist in der Hauptsache keine Sache des Gesetzgebers. Und wie du auch sagst, gesellschaftliches Umdenken braucht Zeit. Das ist bisweilen nervig, aber nicht wirklich zu ändern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.